Francis Inferno Orchestra – Meet Me In Salt Lake City

Under The Shade, das Label von David Griffiths, weiss mit vorzüglichen Releases zu erfreuen. Seit “Ipso Facto” von Sam Williams alias Chamboche erscheint es regelmässig auf meinem Radarmonitor. Ob der Gehäuftheit des Labelausstosses ist es auf diesem Blog allerdings ein wenig untergegangen. Will schreiben: die einzelnen Trackpakete konnten nicht immer zeitnah berücksichtigt werden. Dementsprechend dient die Nr. 19 des Labelkataloges dazu, die Gedanken einmal über die zurückliegenden 12″ schweifen zu lassen.

In den vergangenen beiden Jahren hat David Griffiths einer ganzen Reihe Künstlern, die einem breiteren Publikum weitgehend unbekannt waren, eine Plattform geboten, die zwischen dem Noch-Underground und einer ersten deutlichen Marktposition vermittelt und diese auch nachhaltig ausbaut. Im Falle eines Chamboche ist ihm das sehr gut gelungen. Im Hinblick auf Talentsuche und -förderung gebührt ihm, wenigstens die italienische Szene betreffend, ein “Neuland-Award” zugesprochen, verhalf er doch Projekten wie Mushrooms Project oder The Heels Of Love zur Stärkung und Stabilisierung ihres Wirkungsbereiches. Jede 12″ für sich genommen war und ist eine gute Produktion, die sich am klassischen Diskokonzept orientiert. Gesang mit Falsett-Anleihen, der – wir wissen es spätestens seit diesem ausgezeichneten Artikel in der Neuen Züricher Zeitung – die Tracks mit dem rauschhaften Charakter dionysischer Orgien versehen möchte; Bass und Melodien mit passgenau eingefügtem Acid-Implantat, ummantelt von einer künstlichen Club-Patina, die auch ein Laie sehr leicht erkennen kann. Was mir bisher jedoch gefehlt hat (die beiden 12″ von Mark E einmal aussen vor gelassen): ein Geschmackserlebnis, das sich nicht so schnell verflüchtigt, wie man es auch von Kaugummis mit Pfirsichgeschmack kennt oder den gerne im Vorfeld der Weihnachts- und Neujahrsfeiertagen aufgetischten exotischen Früchte. Farbreichtung, Formenvielfalt, alles gegeben, doch die daraus abgeleitete Vorstellung deckt sich nicht mit dem tatsächlichen Erleben. Aber vielleicht bin ich da auch ein wenig zu erwartungssensibel. Wobei: der Runaway Remix für Chamboches “Closer” ist nicht zu unterschätzen.

Anyway. Bevor das Label die Zwanzig erreicht, erscheint das Francis Inferno Orchestra aus dem australischen Melbourne mit einer 12″, an der es nicht zuletzt auch aufgrund der beiden Remixe von Soul Clap und Eddie C kein Vorbeikommen gibt. Die australische Szene rückt ja seit einiger Zeit stärker in den Fokus unserer Aufmerksamkeit mit Releases von Andy Hart, Mic Newman, Lewie Day alias Tornado Wallace und eben Griffin James unter seinem Francis Inferno Orchestra-Nick. Mit “So Divine” auf DiKSO hatte er mich vor einiger Zeit schwer beeindruckt – ganz gewiss keine einmalige Verpuffung. Auf “Under The Shade” lädt der Australier zu einem Treffen in Salt Lake City ein.

Meet Me In Salt Lake City” – so lautet das Thema seiner 12″. Griffin James alias Francis Inferno Orchestra bedient sich hierfür bei House und Disco. Den knackigen Funk dieser Genre – unterstützt durch britzelnde Claps – vermengt er auf dem Titeltrack seiner EP mit jeder Menge verzwirbelter Effekte, wie Champagner fein perlender Sounds und entspannt federnden Klavierakkorden, die eine Nachmittagsstimmung an Bord eines Kreuzfahrtschiffes vermitteln. Barpiano, ein weisser zerknitterter Leinenanzug und der erste Longdrink des Tages. Ein Song, der möglicherweise auch die sprichwörtliche Mormonenstrenge der Stadt Salt Lake City ausheblen könnte.

Als Remixer erscheinen die Bostoner Soul Clap-Jungs sowie der Kanadier Eddie C. Zu letzterem schreibe ich nur noch wenig, denn Edward “Eddie C” Currelly spielt sowieso in einer anderen Liga. Sein Remix scheint aus einer anderen Zeit, aus einer anderen Welt zu stammen, und beinahe wage ich zu behaupten, dass er in seiner Kindheit einen magischen Sternenstaub eingeatmet hat, der es ihm ermöglicht, die Grundcharakteristika eines Tracks beizubehalten, und dennoch ein Mehr an sexueller Spannung in seine Remixe einzubauen.

Bleibt noch “Me And You” – unglaublich schiebend, rauschhaft-orgiastisch trotz des eher gemächlichen Tempos. KILLER!!!

Me and You (Original Mix) by Francis Inferno Orchestra

English (short) version: Australian Griffin James a.k.a. Francis Inferno Orchestra with a 12″ on Under The Shade records. He goes through House and Disco with ease like butter on hot toast. Comes with a remix by Boston based Soul Clap crew and Eddie C who, again, gives further proof of his extraterrestrial producing skills! HOT!

Mehr im Web:

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Francis Inferno Orchestra @ Soundcloud
Francis Inferno Orchestra – Guest Mix @ Back And Forth
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Under The Shade

DiKSO Podcast 07 – The Francis Inferno Orchestra by DiKSO Edits