Freiburger House- und Techno-Produzenten im Überblick

Digitale Technologien haben den Umgang mit Klang und Musik verändert. Mittlerweile kann jeder, der einen Computer, ein Smartphone oder Tablet besitzt, zu Hause oder unterwegs seine musikalischen Ideen festhalten und Songs produzieren.

Der Vorteil für Einsteiger: Sie müssen keine Noten oder Spieltechniken mehr lernen. Sie brauchen nur eine leistungsstarke Soundkarte, Kopfhörer und Musiksoftware wie FL Studio oder Ableton und können sofort loslegen. Auch in der Region Freiburg haben viele Klangtüftler ein Studio in ihrer Wohnung eingerichtet. Ihre Zahl lässt sich nicht schätzen. Einige dieser Wohnzimmerproduzenten haben sich musikalisch jedoch so stark entwickelt, dass sie ihre Stücke inzwischen ganz klassisch veröffentlichen –  als Vinylschallplatte.

Liquid Phonk

Patrick Lesser und Mirko König (Bild oben, von links) sind das Duo Liquid Phonk. Die beiden Offenburger arbeiten seit rund 15 Jahren zusammen im Studio. „Als wir angefangen haben, diente uns der Rechner lediglich als Midi-Sequenzer. Mit ihm haben wir unsere Hardware wie die Rolanc MC-505 Groovebox gesteuert. Als Software nutzten wir Micro-Logic von Emagic“, erinnert sich Lesser. Nach wie vor verwenden sie analoge Geräte. Als Midi-Sequenzer setzen sie inzwischen die Software Cubase der Hamburger Firma Steinberg ein.

Auch Software-Instrumente spielen für Lesser und König eine immer größere Rolle, so zum Beispiel die Korg Legacy Suite. Dieses Programm bildet Synthesizer des Herstellers Korg nach. Lesser und König veröffentlichen ihre Musik unter anderem auf dem Münchner Dance-Label Compost Black.

Ihr Anfängertipp: Um sich aus der Masse hervorheben zu können, muss man seinen eigenen Stil finden. Das erfordert viel  Zeit und Durchhaltevermögen – je nach Talent.

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Gleis 5

Gleis5, 23, hat 2007 mit der Software Fruity Loops seine ersten Produzierversuche gestartet. Er findet sich in verschiedensten Spielarten der elektronischen Musik wieder, hat jedoch eine Vorliebe für dunklen, treibenden Techno entwickelt. Diesen bringt er unter dem Pseudonym Gleis 5 raus. Anfang 2014 erscheint seine erste Vinylschallplatte auf Sinnestäuschung Castor, dem neu gegründeten Label der Freiburger Techno-Veranstalter Sinnestäuschung.

Im Unterschied zu vielen Wohnzimmerproduzenten hat der Kaiserstühler Gleis5 mehrere Instrumentalausbildungen genossen. Er spielt Klavier, Gitarre und Schlagzeug. Sein Zimmer gleicht mittlerweile einem professionellen Studio. „Mit Subwoofer und diversen Mischpulten“, sagt er. Zum Produzieren und für Live-Auftritte verwendet er die Software Ableton, den Performance-Controller Akai APC40 und Maschine von Native Instruments.

Sein Anfängertipp: Produzieren ist wie jedes andere Musikinstrument. Nichts geht über üben, üben, üben.

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Borrowed Identity

„Als Teenager habe ich ausschließlich digital produziert und viele Samples verwendet. Mein Setup bestand nur aus den Programmen Fruity Loops und Cubase“, erzählt Christian Soukup (Bild unten). Ende 2011 tauchte der Freiburger unter seinem Alias Borrowed Identity aus dem Nichts auf. Seine wahre Identität hielt er lange verborgen. Mittlerweile hat er sein Hobby zum Beruf gemacht. An den Wochenenden legt er als Disc Jockey in Clubs von Athen bis Wien auf.

Unter der Woche arbeitet er im Studio. „ Inzwischen verwende ich auch analoge Geräte und experimentiere mit alten Synthesizern der Hersteller Roland und Moog.“ Seine Vorstellung von House und Techno veröffentlicht der 23-Jährige auf Plattenlabeln wie Quintessentials oder Pets Recordings.

Sein Anfängertipp: Wichtig ist, sich selbst, die Programme oder analogen Geräte zu entdecken. Da ist ein Riesenfuhrpark hinderlich.

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Rotlaub

Mit einer kostenfreien Demoversion der Software Ableton Live hat für Julian Wollny alias Rotlaub alles angefangen: Der Freiburger hat sie sich im April 2012 aus Neugier auf seinen Laptop heruntergeladen. Einen Monat lang hat er damit gearbeitet und schnell gemerkt, dass ihm das Produzieren großen Spaß bereitet. Deshalb hat er sich die Vollversion gekauft. Seither schreibt er damit seine eigenen Songs.

„Meine Musik entsteht nach wie vor am Laptop mit Ableton. Das ist ein ständiges Ausprobieren. Vom Ausgangsmaterial ist am Ende oft nur noch wenig übrig“, erzählt er. Inzwischen nutzt Wollny auch VST-Instrumente, mit denen er die Standardsounds von Ableton erweitert. Zu seinem Setup gehört außerdem ein Audio-Interface, um mit einem Kondensatormikrofon Stimmen und Instrumente aufnehmen zu können.

Sein Anfängertipp: Einfach eine der vielen Demoversionen runterladen und rausfinden, welches Programm einem liegt. Im Internet auf YouTube finden sich hilfreiche Tutorials zu den meisten Programmen.

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Frederick Block

Fabian Steck nennt sich als Produzent Frederick Block. Der Mittzwanziger hat zum ersten Mal während seiner Abizeit mit der Software FL Studio, auch bekannt als Fruity Loops, und im Internet kostenfrei erhältlichen Programmen Musik gemacht. „Viel kam damals nicht bei rum. Es war ziemlich frustrierend, das eigene Ergebnis zu hören“, erinnert er sich.

Seit eineinhalb Jahren arbeitet er wieder intensiv an eigenen Stücken – mit Fruity Loops, einem Midi-Keyboard und diversen VST-Instrumenten. Sein Stück „Seallug“, eine langsam groovende House-Nummer, ist im Herbst 2013 auf dem Freiburger Label Foul & Sunk erschienen. Gerade plant Steck die Ergänzung seines Heimstudios um analoge Geräte.

Sein Anfängertipp: Die Musik ist stets im Wandel. Der eigene Geschmack bleibt nie gleich. Deshalb sollte man Spaß an der Sache haben und schauen, was passiert.

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Lucas Deer

Es gibt Tage, an denen macht Lucas Diebold (Bild unten) nichts anderes als Musik – mit Maschine von Native Instruments, Ableton und modularen Synthesizern. Dann zieht sich der 20-jährige Abiturient am Montessori Zentrum Angell in sein Heimstudio in Denzlingen zurück. Dort erweckt er seine Künstlerpersönlichkeit Lucas Deer zum Leben. Ihr haben es Melodien und Soundscapes angetan.

Als Einflüsse nennt Diebold die Komponisten Hans Zimmer und Alexandre Desplat, der unter anderem die Musik zu den Harry-Potter-Filmen geschrieben hat. Im Januar 2013 veröffentlichte Diebold ein erstes Album im Selbstverlag. 2014 soll auch von ihm eine Maxi-Single auf einem Label des Sinnestäuschung-Kollektivs erscheinen.

Sein Anfängertipp: Über den engen Tellerrand der Clubmusik hinausblicken.

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Eiskaltes Händchen

“Zum Leidwesen meiner Frau mache ich täglich ein bis zwei Stunden Musik. Am Wochenende kann es auch mal mehr werden”, sagt Benjamin Hämmerle, bekannt auch als Eiskaltes Händchen. Damit nicht genug. Der Freiburger veranstaltet zudem die beiden Partyreihen “Allure” und “Weekends”, zu denen er Gäste wie Santé oder Adam Port einlädt.

Zum ersten Mal hat er 1999 eigene Musik produziert. Damals benutzte er einen Sampler von Akai, den Akai S2000 und als Sequencer Cubase VST 5 (Windows), Soundkarte von Yamaha, ein uralt Yamaha Keyboard, einen 8-Spurrecorder von Roland und 1 Paar Alesis Abhörmonitore. “Der Akai Sampler hatte allerdings nur 1 Minute Speicher, was das ganze nicht sehr komfortabel gestaltete”, erzählt er. Heute benutzt er als Software Ableton 9 und Cubase 4. Sein Track “DeSoul” ist 2013 auf der Mini-Compilation “Breisgau EP” erschienen.

 

Sein Anfängertipp: Es gibt viele Dinge auf die man als Anfänger, aber auch als Pro achten muss. Gute Boxen sind jedoch unerlässlich.


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LA Rokoko

Chris, Jonas und Manuel sind LA Rokoko. Das Freiburger DJ- und Produzenten-Trio weiß seine musikalische Sehnsuchtsheimat deutlich zu benennen: Das US-amerikanische Städtedreigestirn Detroit, Chicago und New York – und noch viel mehr. “Wir sind Hardware-Freaks”, sagt Chris. So finden sich in ihren eigenen Stücken Anleihen an Cosmic Disco, Krautrock und drexciyanischem Unterwasser-Elektro wieder.

Die ersten eigenen Skizzen und Loops haben er, Jonas und Manuel bereits um die Jahrtausendwende erstellt – damals allerdings fast ausschließlich Hip Hop-Beats, am Rechner, mit Fruity Loops. Herzstück ihres heutigen Setups ist die MPC 1000. Mit ihr steuern sie diverse Geräte an, darunter verschiedene Drumcomputer und Synthesizer aus den Häusern Roland und Yamaha. “Wir bevorzugen analoge Effekte. Damit bekommt der Sound eine persönliche und einzigartige Note”, meint Chris.

Ihr Anfängertipp: Heute texten dich schon 17-jährige darüber zu, wie geil denn das Roland Space-Echo im vergleich zu einem Software-Effekt klingt und geraten bei dem Wörtchen “analog” in aufrichtige Verzückung. Die Hersteller reagieren darauf mit immer neuen Toys, die den Einstieg ermöglichen sollen. Das neue Gerät landet dann nach ein paar erfolglosen Versuchen im Schrank, eingepackt in ein T-Shirt, damit es nicht verstaubt, weil man ja so viel dafür bezahlt hat. Um das jetzt als Tipp zu formulieren: Es gibt nicht den niederschwelligen Einstieg, den dir alle vorzugaukeln versuchen, man braucht Zeit und jede Menge Nerven. Aber letztendlich lohnt es sich, wenn man am Ende den Unterschied hört.

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Weitere Produzenten aus Freiburg sind:

- Mechanical Soul Brother
- Simonis
- Sarrass (veröffentlicht auf Compost Black, Third Ear und seinem eigenen Label EOS)

[Dieses Feature erschien in gekürzter Form in der Badischen Zeitung und im Onlinemagazin fudder.dehttp://fudder.de/artikel/2014/01/23/die-soundbastler/]




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