Jazzanova feat. Paul Randolph – I Human (Remixes)

Jazzanovas “Fedime’s Flight” war so ziemlich das erste Stück temporeicher, Bossa-angehauchter Lounge-Bar-Musik, das ich bewusst gehört habe und das mir auf Anhieb gefallen hat. Der locker rollende Groove, mehr für’s Mitwippen als für’s Mittanzen gedacht – wunderschön! Deshalb kann ich mich noch gut an den Moment erinnern, in dem ich diesen dezenten Hit der Neunziger Jahre gehört habe: Es war zur Eröffnung einer Bar, auf die ich in Begleitung meiner damaligen Freundin mehr zufällig als geplant gestolpert bin; mit der Tolpatschigkeit von Teenagern mischten wir uns unter das Jahrzehnte ältere Publikum und hatten nichts als Freigetränke – Sekt, Weisswein, Bier – im Sinn. Irgendwann legte der DJ diese Platte auf, und einige Takte später waren Freundin und Freigetränke in den Hintergrund gerückt.

Das ging mir seither mit so vielen Jazzanova-Platten oder Veröffentlichungen auf ihrem Label Sonar Kollektiv, ob das nun die 12″ “Atjazzanovâme“, die (Nu) Jazz-/Soul-Songs einer Clara Hill oder Georg Levin oder Sachen von Micatone oder Dimlite waren. Mit vielen Songs verbinde ich ein persönliches Erlebnis. Das mag ein spontaner, unerwarteter Kuss auf der Tanzfläche gewesen sein oder eine Glück auslösende SMS, die gerade im Moment des Songs bei mir ankam. So viel zu meinem emotionalen Hintergrund, wenn es sich um das Musiker, Produzenten und DJ-Kollektiv Jazzanova handelt.

Zwei aus diesem Kollektiv, Stefan Leisering und Axel Reinemer, haben sich über die Herbst- und Wintermonate im Studio des ehemaligen DDR-Rundfunk-Orchesters in Berlin eingenistet. Zusammen mit den Musikern der Jazzanova Live Band haben sie einige ihrer Klassiker aus den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten neu – live – eingespielt, aufgenommen und als “Funkhaus Studio Sessions” im Mai 2012 veröffentlicht. “Let Me Show Ya”, “I Can See”, das grossartige “Believer” sind darauf enthalten, aber auch “Fedime’s Flight” sowie “I Human”, eine neue Koproduktion mit dem Detroiter Sänger und Passisten Paul Randolph. Ehrliche Meinung zum Album? Grossartige Songs, hervorragende Instrumentierung, aber der Live-Charakter, also minimale Abweichungen in der Tonhöhe, ganz leichte Rhythmusverschiebungen und Ähnliches, fehlen mir darauf. Ist aber sicher auch Geschmackssache.

Der neue Song “I Human” kommt nun mit einer Vielzahl Remixen daher; Disco-Versionen von G.I. Disco oder Mario & Vidis, die stark auf der Bassfigur des Originals aufbauen; Soul Clap und Jeremy Sole liefern eine Interpretation ab genauso wie Red Rack’em und Vakula. Red Rack’em verpasst “I Human” ein düsteres Outfit und einen Rücken massierenden Bass; Synthie-Nebel durchziehen den Track und verstärken den klanglichen Charakter einer nicht enden wollenden Nacht. Vakula – ganz der Jazzer, stellt den Bass ebenfalls ins Zentrum, wirkt mir aber in seinen Arrangements ein wenig zu aufgeregt, seine Instrumentals & Synthies haben für mich einen zu jammigen Ansatz.

Anders dagegen der Detroiter DJ und Produzent Mike Huckaby. Sein “Jazz Republic Downtempo Mix” ist autogenes Tanzflächentraining par excellence – trademark keys, belebende Percussion,  organische Synth Pads vermitteln eine den Körper durchfliessende Wärme und wirken wie Balsam auf Geist und Seele. Das ist Huckaby durch und durch. Wer’s dann doch lieber etwas “uptempo” mag, greift auf den entsprechenden Remix zurück. Und das persönliche Erlebnis? Das wird ganz bestimmt nicht ausbleiben!

ENGLISH SHORT VERSION

If I could use the word “blissful” only once this year, it has to be in the context of Mike Huckaby remixing “I Human” for Jazzanova. His both remixes bless you with peace, harmony and happiness. Amen!

Mehr im Web:

Mike Huckaby @ Facebook
Mike Huckaby @ Soundcloud
Mike Huckaby – Resident Advisor Podcast #278
Mike Huckaby – CDR Workshop Berlin
Jazzanova @ Facebook
Jazzanova – Interview for Loftas TV