Mixed up monday (120)

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Tiefe, ruhige Bassfrequenzen, umweht von einem zarten Acid-Schleier, dezente Synth Pads, kontrastiert mit harten, metallischen Hi-Hat- und Snare-Sounds, erfüllten den Freiburger Club Schmitz Katze, als Robag Wruhme an einem Sonntagmorgen vor nunmehr vierzehn Tagen sein Set begann. “Black Ice” von Smallpeople war sein Eröffnungstrack. Daran schloss sich eine Auswahl aktueller deutscher House-Produktionen an, von Sevensol & Bender (“How Not To Lose Things”), Christopher Rau und Moomin alias Roaming, und so weiter. Musik, die das Licht fast vollständig absorbiert, dennoch transparent und klar ist. Wie Schwarzeis. Black Ice. Es folgten Tracks aus dem Kompakt und Cómeme-Umfeld, “Geffen” von Barnt beispielsweise, aufgelockert und durchmischt mit Acapellas und Sprachsamples unterschiedlichster Art, die Realkeeper-Mantras von Fingers Inc., Todd Terry oder Eddie Amador, Mitschnitte aus Radiosendungen und Filmen. Insgesamt war’s in sehr guter Abend und Robag Wruhme bestätigte erneut, dass er ein hervorragender Produzent, DJ und Entertainer ist, mit dem man eine gute Zeit verbringen kann.

Seither war ich im Freiburger Nachtleben nur noch einmal unterwegs, bei tageins mit La Rokoko. Seit dieser Zeit habe ich auch das Blog vernachlässigt. Mir war nach etwa 200.000 Zeichen, die ich in Interviews, Reportagen und Features verarbeitet habe, einfach nicht mehr nach Schreiben zumute. Und nach Weggehen schon zweimal nicht. Das lag nicht an der Musik. Da erschien in den vergangenen Wochen wirklich herausragendes Material, für die Tanzfläche, für den Heimgebrauch, von Black Jazz Consortium, Christopher Rau, Steven Tang alias Obsolete Music Technology, Jacob Korn und Prins Thomas. Um die Fülle etwas zu bündeln, habe ich eine kleine Liste mit Lieblingen zusammengestellt – Keep-it-Deep Autumn goodies 2012. Schaut vorbei, vielleicht ist etwas dabei, was euch gefällt.

Gefallen könnte auch die folgende Auswahl an Podcasts und Mitschnitte, die der Jahreszeit entsprechend dunkel und düster gehalten sind und von sehr vielen DJs stammen, die ich glühend verehre. Da wäre zu Beginn der New Yorker Eric Cloutier, Bunker-Resident und meisterhafter Arrangeur von Deep House, Dub Techno und Techno. Heute auf seiner Soundcloud veröffentlicht: Eine Werkschau des Labels Driftwood, betrieben von Norman Feller a.k.a. Terry Lee Brown Jr. und Jean F. Cochois alias The Timewriter. Serious dance music. No bitchin allowed!

No bitchin allowed gilt auch für das Set, das Boris Bunnik alias Conforce vor einigen Wochen in Athen im Kulturzentrum Six D.O.G.S. gespielt hat. In diesem Jahr erschien ja sein Silent Harbour-Album auf Echocord, in dessen Mittelpunkt er die atmosphärische Seite der elektronischen Musik gestellt hat. Grossartiges Album, sollte man gerade jetzt, wenn die Nächte wieder länger werden, wenigstens einmal anhören.

Der nächste Mix kommt von Tama Sumo, die am vergangenen Wochenende im Six D.O.G.S. in Athen aufgelegt, am kommenden Wochenende das erste Mal im Room One des Londoner Clubs Fabrig auflegen wird. Aus diesem Grund hält das clubeigene Blog einen Mix bereit, in dem Tama Sumo ihr musikalisches Spektrum ein wenig vorstellt. Inspirational.

Introducing… Tama Sumo + her Fabric Promo Mix

An Tama Sumos Seite wird Achim Brandenburg alias Prosumer stehen. Für das niederländische Label Rush Hour hat er sich vor einiger Zeit daran gemacht, Stücke des Prince of Dance Music, Elbee Bad, in Mixform zu giessen. Schmutzig und roh, seelenvoll und betörend. Chicago.

Techno muss geradlinig, kraftvoll und schnörkellos sein. Einer, der seine Musik nach diesen drei eigenschaften ausrichtet, ist David Flores alias Truncate. Geboren und aufgewachsen im Süden Kaliforniens, zählt er heute zum Umfeld der Droid-Partys und steht mit seinen Produktionen für rohen Maschinenfunk, bei dem keine Schweisspore geschlossen bleibt. Würde ich mir sehr gerne einmal live geben. Bis dahin muss es der Mix für’s Fabric Blog richten.

Introducing… Truncate + his Fabric Promo Mix

Zu den Fachwerk-Homies Mike Dehnert, Sacha Rydell und Roman Lindau zählt auch Reno Wurzbacher, der sich allerdings vielmehr auf dem House-Outlet Colombage austobt. Dort veröffentlichte er vor etwas mehr als einem Jahr den Track “Julischkaa”, der im Vergleich zu den monolithisch ins Dunkle stampfenden Fachwerk-Skizzen sehr stimmungsvoll, geradezu verspielt daher kommt. Auf Tea and Techno steht Wurzbacher Rede und Antwort und hat ausserdem einen Mix abgeliefert.

Fresh TEA – Reno Wurzbacher

Wie ist die Lage bei den anderen Blogs? Northern Purpose sichert sich die Dienste von Manchesters Juniper, das sind Dan Mumberson und Reuben Holt. Könnte, dürfte man beispielsweise von ihrem Release auf Smallville Records, “We Met In Manchester“, kennen.

Northern Purpose #28 – Juniper

 Jamie Taylor alias Flori spielt sich für teshno durch Tracks von John Daly, Vakula und Manoo. Verdammt lange her, dass ich dessen Track “Abyss” gehört habe. Gefällt mir aber immer noch so gut wie zur Zeit seiner Veröffentlichung.

teshcast x – Flori

NTS ist ein unabhängiges Internetradio, das aus Hackney sendet und musikalisch auf House, Techno und den ganzen UK Stuff ausgerichtet ist. Joy Orbison hat sich auch schon einmal dafür hergegeben, jetzt ist es Kollege Braiden, der unbeschwert Boards Of Canada mit Soundstream, Morgan Geist und Ricardo Villalobos zusammenwirft. Supercool: DJ Fex – Mysterious Conversation – Tanzmann & Stefanik Remix. Hab’ ich schon Jahre nicht mehr gehört, damals, bei seinem Erscheinen, aber gross gefeiert. Wo sind nur die Mittnuller-Jahre hin?!

Und zum Abschluss: Daphni alias Caribou, Jiaolong-Release-Party in London, Anfang Oktober. 7,5 Stunden. Gänsehaut.