Roman Flügel – Brian Le Bon

Roman Flügel. Ach, Gott, dieser deutsche DJ und Produzent weist eine deart umfangreiche Musikbiographie, ein beinahe rahmensprengendes Tonträgerverzeichnis auf, dass ihm kaum mehr beizukommen ist und es die Abwägung, welche Stationen tunlichst zu erwähnen sind, welche nicht, und in welch sprachlich andäquater Form, erschwert. Anfang / Mitte der Neunziger Jahre startete der durch mit ersten eigenen Releases, im Alleingang sowie gemeinsam mit Jörn Elling Wuttke. Mit diesem war er als Acid Jesus und einem guten Dutzend weiterer Künstlerpseudonyme unterwegs. Grössten Bekanntheitsgrad und weitreichendsten Erfolg, auch in kommerzieller Hinsicht, erlangte das Gemeinschaftsprojekt Alter Ego.

Das Alter Ego-Material war – Geschmack ist streitbar – nie wirklich mein Fall, auch wenn ich zu “Rocker” oder irgendeinem Remix auf der einen oder anderen Party sicher steil gegangen bin. Mein liebstes Material aus der Flügel’schen Klangschmiede nämlich waren, und sind es noch immer, die auf Playhouse als Roman IV veröffentlichten EPs “Altes Testament” und “Neues Testament“.

Mit Playhouse, vielmehr mit der Label-Trinität Playhouse-Ongaku-Klang, ist Roman Flügel bis heute treu verbunden, auch als DJ. Im Rahmen der “Famous When Dead”-Touren konnte ich ihm daher ein ums andere Mal beim Auflegen über die Schulter blicken, wenn Roman Flügel entweder mit Heiko M/S/O, Ata oder einem weiteren Playhouse-Artist am Start war. Dass die in Dreiheit auftretenden Playhouse-Onkagu-Klang auch in enger Beziehung zum Offenbacher Club Robert Johnson stehen, ist hinlänglich bekannt genauso wie der Start einer clubeigenen Compilation-Reihe (Live At Robert Johnson) aus Anlass dessen zehnjährigen Bestehens. Chloé, Prins Thomas, Ivan Smagge sowie Thomas Hamann & Gerd Janson bildeten im vergangenen Jahr das Eröffnungsquartet. Roman Flügel führte den Reigen zu Beginn diesen Jahres fort. Ob er mit seiner Einspielung ein “typisches” Roman Flügel DJ-Set, ein auf CD-Länge heruntergekochtes Showcase, abgeliefert hat, kann ich nur schwer beurteilen – ich habe ihn ganz einfach zu selten erlebt, um aus meiner Erfahrung eine Typizität ableiten zu können. Doch, das ist unbestritten, beinhaltet diese Mix-CD eine Vielzahl Tracks, die ein Roman Flügel im Rahmen einer Clubnacht durchaus auf die Plattenteller bringen könnte.

Vorliegende 12″, “Brian Le Bon”, ist nun eine Single-Auskoppelung dieser “Live At Robert Johnson”-Compilation. A- und B-Seite beinhalten jeweils einen Track, den Roman Flügel eigens für seinen Mix angefertigt hat. Mit “N.M.I.S.M.D.” versorgt er alle diejenigen, welche sich für kantige, auf einen knochentrockenen Tech-Funk heruntergestrippte Drumsounds begeistern können. “Brian Le Bon” hingegen ist einer dieser Tracks, der wirkt, als ob er im Morgengrauen aufgenommen, für die Stunde zwischen Nacht und Morgen produziert wurde. Jedenfalls kann man es sich problemlos vorstellen, wie die Sonne allmählich am Horizont, über dem Main, aufgeht, das Morgenlicht sich im Fluss spiegelt und durch die paar wenigen Glasscheiben ins Robert Johnson durchschimmert. Mit elegisch-sehnsuchtsvollen Tönen trumpfen die Synthesizer auf, die sphärengleich und dennoch warm und kräftig herüberhallen. Und nur dem frenetisch auftretenden Snare/Clap-Teppich ist zu verdanken, dass man den Wirklichkeitsbezug nicht vollständig verliert.

English (short) version: Roman Flügel has made his name as one of the most successful djs and producers on both sides, the commercials and the underground one, be it together with his Alter Ego-partner Jörn Elling Wuttke, be it as a solo artist. He recently released the fifth edition of “Live At Robert Johnson”-series, following the footsteps of Chloé, Prins Thomas, Ivan Smagghe and Thomas Hamann & Gerd Janson. He contributed two exclusively produced tracks for it, which you’ll find on an extra single release. “N.M.I.S.M.D.” is a dry-as-a-bone house track that packs a powerful punch, whereas “Brian Le Bon”, the title track, creates an ethereal atmosphere, dark, dreamy and delightful at the same time – an atmosphere you would expect at his homebase, the Robert Johnson club, when the morning sun rises above river Main.

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Ongaku
Robert Johnson