Somebody Scream – Kowski & Levon Vincent, Samstag, 21. Mai 2011 – ein kleiner Nachtrag

Freiburg im Sommer. Heiss brennt die Sonne auf das Kopfsteinpflaster der Altstadtgassen. Lange Schlangen bilden sich vor der Strassenausgabe der Eiscafés. Kaum ein freier Platz mehr lässt sich am Ufer der Dreisam ausmachen. Und die Clubs sind leer. Denn man geniesst die laue Nachtluft im Beisein von Freunden und Bekannten auf Balkons, Dachterrassen, in Schrebergartenhütten. Feiern bis der Tag anbricht, aber Hauptsache draussen.

Zwar war am vergangenen Samstagabend kalendarisch noch nicht Sommer. Doch die Temperaturen gaben schon einiges her. Auch im Drifter’s Club. Hier – wohin sich Gott sei Dank nur selten ein Partyphotograph verirrt – staute sich die aufgewärmte Luft des Tages. Und der vergangenen Wochen und Monate. Seinen Frischluftfetisch muss man anderenorts ausleben. Ein zarter, leicht öliger Schweissfilm bildete sich auf der Haut und im Gesicht, kaum dass man den karg ausgestatteten Raum betreten hatte.

An Abenden wie diesen steht und fällt das Gelingen der Clubnacht mit den Residents. Ihre würdevolle Aufgabe ist es, eine Atmosphäre zu schaffen, die den Höhepunkt der Nacht höchstens erahnen lässt, ihn jedoch zu keiner Zeit vorwegnimmt. Es geht um nicht mehr – und nicht weniger -, als einen beständigen Spannungsaufbau zu kreieren und diesen zu halten. Hits, sure shots, Killerplatten zu spielen ist dem Gast vorbehalten. Oder so. Die Nacht zu eröffnen – nichts Aussergewöhnliches für den Freiburger DJ Kowski. In den zurückliegenden Jahren hat er schon für Prosumer oder Langenberg das Intro gespielt- Daneben hat er jede Menge Erfahrung an den Plattentellern gesammelt mit seiner eigenen Veranstaltungsreihe Deep Station, zusammen mit Ricordo, ab und zu mit Agent Schwiech. Und alleine, all night long, ist er sowieso ‘ne Bank.

Kowski hüllt die Tanzfläche ein in zarte Dub-Schleier. Zu diesen gesellen sich der filigrane Sound einfühlsam gespielter Percussions und zarte Tonschwingungen einer Synthie-Melodie, unterlegt mit introvertierten Drumset-Rhythmen. Erinnert mich ein wenig an die Produktionen eines Sven Weisemann. Noch ist es nicht Mitternacht. Dennoch nähern sich bereits einige Mädels der Tanzfläche, nehmen die Rhythmen auf und zaubern erste, zögerliche Schritte in den mit dunklen Rottönen ausgeleuchteten Club. Kowski nimmt entspannt fahrt auf, spielt sich durch eine Auswahl aktueller House-Produktionen durch. “Something Like Wonderful” von Julius Steinhoff, “Black Moon”, ein Stück aus dem Debüt-Album “Stone Breaker” von Mark E und Oskar Offermanns “The Fog Burns Off.

Inzwischen ist die Tanzfläche voll. Manch ein Breakdown eines Tracks wird mit einem frenetischen Pfeifen und geradezu ausgelassenem Johlen ausgefüllt.  Und dann DJ Harveys Remix von “Rushing To Paradise“. Die Energie dieses Tracks geht unmittelbar auf die Tanzenden über, erfüllt jede ihrer Körperzellen mit Energie. Die musikalische Dramaturgie dieses Stückes setzt die Tanzfläche unter Feuer. Die Crowd steuert einem ersten Höhepunkt entgegen. Kowski übergibt an Levon Vincent.

Der New Yorker DJ und Produzent schaltet zunächst einen Gang zurück, nimmt das Tempo ein wenig raus. Kurz durchatmen, bevor die Abfahrt beginnt. Er leitet sie ein mit “Quo Vadis” von G-Man. Der Rave-Klassiker ist bekannt im Drifter’s. Entsprechend tost die Begeisterung der Tanzenden, die ausgelassen feiern, der Enthemmung nahe. In der Folge spielt sich Levon Vincent, selbst Produzent von Platten, die energiegeladene, unbändige und wilde Stücke wie “Woman Is The Devil” oder “These Games” enthalten, durch eine erlesene Auswahl von House und Techno. In seinem Set treffen alte auf neue Stücke, einige davon bis jetzt noch unveröffentlicht. Ein Acid House-Track mit einer der durchdringendsten TB-303, die ich bisher gehört habe, geht Hand in Hand mit “Nuthin Wrong” von Tyree. Pumpender House im cut up-Stil eines DJ Sneak verschmilzt mit den analogen Skizzen eines DJ Qu oder Fred P. Von letzterem spielt Levon Vincent übrigens “Come This Far (Fred P Reshape)”, kurz bevor die Veranstaltung ihrem Ende entgegen geht. 5.a.m.-Stimmung. Den krönenden Abschluss macht übrigens “Our Love” von Blake Baxter. Was für eine Nacht!

English (short) version: soon.




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